Die gute Sache zählt nichts mehr

ich weiß nicht, ob das schon jemals so war, dass die Sache etwas zählte, aber heute, in dieser Zeit zählt sie zumindest nichts.

Ich fange mal bei mir an, damit es vielleicht ein paar Menschen dazu bewegt, auch einmal über ihr eigenes Handeln nachzudenken… Als ich in der Schule war, da fand ich alles öde. Aber ich lernte nicht, weil die Lehrer nicht so dachten wie ich, sie mir nicht das Ganze zeigten, nicht meine Begeisterung heraufbeschwören konnten. Damals konnte ich noch nicht darüber hinweg sehen. Ein Kind. Verzeihlich.

Doch auch heute noch tue ich mich schwer, wenn Leute mir keine Freundschaft entgegen bringen, eine Sache dennoch zu tun, auch wenn ich sie für sinnvoll erachte. Warum mache ich mich so abhängig von anderen Menschen? Es sind alte Wunden, die sich eifach nicht beruhigen wollen. Deshalb trete ich mir selbst immer wieder in den Hintern (nicht immer mit Erfolg) die Dinge um der Dinge willen zu tun.

Das gibt es ganz oft. Ich sehe:

Menschen, die nur das tun, was alle tun –  Angst vorm Leben?

Menschen, die nur Dinge tun, wenn sie noch nicht so viele tun – Angst, in der anonymen Masse unterzugehen?

Menschen, die Dinge nur dann tun, wenn sie als absolute Vorreiter glänzen können – Geltungssucht?

Es gibt noch so viele Formen des Problems Dinge zu tun, um ganz andere Dinge zu erreichen, als die Sache selbst. Da will einer Macht und klammert sich deshalb an alte Strukturen, ein anderer opfert sich für einen anderen Menschen auf, um sich seiner ewigen Dankbarkeit versichern zu können.

Es ist von Außen ganz leicht zu sehen. Doch der Handelnde weiß von nichts!

Und so werden alle Eide geschworen, dass es immer nur um die Sache geht.

„Ich möchte Deutschland dienen!“ sagte die Kanzlerin

„Wir sind Opel“ sagte Steinmeier

Doch es geht immer nur um Machterhalt durch Feuerlöschen am lautesten Problem, nicht am dringensten.

Das ist eine sehr traurige, psychologische Wahrheit. Doch es wäre schon viel geholfen, wenn wir uns alle erst an der eigenen Nase packen würden, anstatt auf die Politiker zu schimpfen und naiv zu meinen, wir würden anders handeln. Wir müssen doch erst einmal lernen im Kleinen, in unserem Wirkungsbereich anders zu handeln. Wahrhaft an der Sache orientiert! Die Bibel kannte dieses Problem auch schon gut:„Was siehst Du den Splitter im Auge Deines Nächsten, aber den Balken im eigenen Auge siehst Du nicht?“

Vielfalt schätzen

Ich bin nach so kurzer Zeit schon beeindruckt, welch Vielfalt an menschlichem Verhalten ich sehen darf. Und ich freue mich echt darüber. Ich habe die Autoren von zwei Kommentaren gebeten, ob ich ihre Kommentare für einen Artikel verwenden darf.

Hui, das finde ich eine sehr große Verantwortung. Ich rede ja letztendlich ÜBER zwei Menschen, die ich nicht einmal persönlich kenne.

Nun ja, aber da ich echte Wertschätzung für die Kommentare empfinde stehen die Chancen gut, dass ich es einiger Maßen hinbekomme.

Da wäre zuerst ein glasklarer Kommentar von Ekeldude, wie mit dem Skalpell geschnitten:

„der unterschied ist die sichtweise. du willst gewürdigt werden, richtest dich also nach aussen. ich meine du willst besser “dastehen” richte mich also an dich. das problem kann bei anderer betrachtung ganz harmlos aussehen. und du kümmerst dich eben nicht um das was du willst. was willst du denn? was weiss ich was du willst. du willst auf jeden fall eine gute gemütliche stellung in der hierarchie. dann kümmere dich um dich. nicht um die anderen, ja das klingt komisch.

ehrlich zu sich selbst sein! ohne rücksicht auf wunden!

ich habe keine empfindlichkeiten die der rede wert sind. jeder hat so seine dinge die ihn beschäftigen. ich bin einfach ehrlich zu mir und bewahre mir immer etwas von “esperanza”…

ABER: es gibt keinen masterplan. wenn du nicht deinen weg gehst, dann gehst du garnicht! manchmal ist es schwierig, da zeigt sich wie gut du bist!
ABER: es gibt auch kein gut und böse! es gibt nur sein. jeder ist sich selbst der richter und der henker! …“

Diesen Artikel fand ich wunderschön, weil er durchwegs wahr ist. Aber, lieber Ekeldude, ich denke nicht, dass ich per Beschluss über meine Wunden hinweg gehen kann. Die meisten Menschen, oder zumindest alle, die nicht die gleiche, oder ähnliche Wunden, oder Empfindlichkeiten haben SEHEN die Wunde und wissen, was zu tun wäre. Nicht so wunderschön und glasklar wie Du es geschrieben hast, aber als Ahnung.

Doch ich habe Jahre gebraucht, mir erstens überhaupt darüber klar zu werden, dass das meine Wunden sind, die mir Schmerzen bereiten und nicht die böse Welt. Zweitens brauchte es wieder lange Zeit, bis ich mir das anhören konnte, wenn jemand mir die Wahrheit sagt und drittens lerne ich gerade, wie ich mit den Wunden umgehen muss, wann sie mein Handeln bestimmen wollen und wann nicht.

Das ist eben ebenfalls eine unumstößliche Wahrheit. Eine innerpsychische.

Und Du verlangst viel von Deinen Mitmenschen, wenn Du möchtest, dass die Wahrheit gesehen werden kann, ohne, dass Du auf Empfindlichkeiten Rücksicht nimmst. Ich weiß ja auch gar nicht, ob Du das anstrebst… Auch kann ich verstehen, dass Du die Nase voll davon hast das Wahre immer irgendwie verpacken zu müssen. (und von Redundanzen, gell? 🙂 ) Aber ohne Rücksicht verbreitet sich die Wahrheit eben eher schleppend. Alles zu seiner Zeit, finde ich. (Inhaltlich gehe ich auf den Kommentar noch einmal bei den Kommentaren ein, wenn alls Seismographen in mir Ruhe geben, eben)

Dann hätte ich als fast genaues Gegenteil einen wundervoll warmen Kommentar von Sternenmädchen: das war zu einem anderen Artikel. 

„ja, deine sichtweise auf “allgemeine”, NICHT von menschen in deiner unmittelbaren persönlichen umgebung , gemachte verletzungen , die

finde ich gut. Ich bin sogar der meinung, daß mich manche menschen gar nicht verletzen können, weil ich zu wenig bezug zu ihnen habe.
in meinem weblog habe ich einen leitspruch angeführt, den ich mir von marc aurel dem römischen kaiser ausgeliehen habe : ” es wäre dumm , sich über die welt zu ärgern; sie kümmert sich nicht darum”.
mit hilfe dieses aphorismus, ist es mir schon manchesmal gelungen, eine zugefügte verletzung mit “einfach ignorieren und vergessen ” , abzuhaken.“

Wie wunderbar Sternenmädchen mir signalisiert, dass sie nachempfinden kann, was meine Probleme mit verletzt werden sind, und woran ich gerade arbeite. Sie macht das bestimmt nicht bewusst, ein gütiges Herz hat sie in ihrem Leben sicher gelehrt, was Menschen brauchen. Und so fühlt man sich bei ihr, wie in den Arm genommen und geborgen. Und um dennoch zu vermeiden, dass wir gemeinsam stehen bleiben in einer Verhaltensweise, die wir ja beide nicht gut finden, hängt sie noch das Wort des römischen Kaisers an. Durchweg positiv ist diese Kommunikation.

Ich weiß nicht, ob das immer gut ist so zu kommunizieren, aber ich habe mich sehr gefreut über den warmen Kommentar. Eine andere Frage ist dann die, ob das Einzige, was so liebe Menschen tun können ist, dass sie eben Beleidigungen an sich abprallen zu lassen.

 

Glasklare, schnörkellose, nur auf eine Wahrheit ausgerichtete Kommunikation. Sie glitzert wie ein Diamant. Aber der wunderbare Mensch, der das schreibt nennt sich selbst Ekeldude. ???

Und die warme, seelenvolle und sehr einfühlsame Einlassung von Sternenmädchen.

Dennoch muss ich ein bisschen traurig feststellen, dass ich, als auch eher gefühlsbetonter Mensch, hier vielleicht auch ein wenig unfair zum ersten Kommentar war. Und bin mir deshalb etwas unsicher, was diesen Beitrag angeht.

Ich finde beide Kommentare letztendlich aber ganz wundervoll und habe mich deshalb dazu entschlossen. Denn ich finde, dass hier im web 2.0 oftmals etwas vorschnell auf Konsens gemacht wird. Das ist nicht Web 2.0 spezifisch, das ist überall so. Vielleicht fiel es mir hier nur auf, weil ich es hier überhaupt nicht erwartet habe