Die Hass-Front der Gut-Menschen

08. Oktober 2009

boa, ich bin echt sauer, auch wenn ich weiß, dass das nicht der rechte Weg ist. Also schreibe ich es mir mal von der Seele…

Ich finde es so schlimm und eine Frechheit, dass man als Mensch in die Menschenfressergruppe gesteckt wird, nur weil man FDP gewählt hat. “Die kalten Jahre werden kommen” dieser Slogan bringt mich echt zur Weißglut. Schwarz-Gelb ist nun auch nicht meine letzte Traumkombination. Aber meines Erachtens die Beste, die wir gerade haben können. Jeder darf selbstverständlich anderer Meinung sein, gar kein Thema. Doch tun wir doch bitte nicht so, als hätte diese Regierung zum Ziel, nicht so leistungsfähige Menschen auszurotten, Ungleichheit zu zementieren und so etwas wie eine ethnische Säuberung durchzuführen.

Na ja, jetzt kann ich mal wieder etwas runter fahren. Hätten die “Anderen” gewonnen, was würde ich wohl denken? Wahrscheinlich: “OmG die werden uns total runterwirtschaften.  Niemand guckt mehr auf Alokation, alle nur noch auf Distribution. Großer Gott, der Lafontaine wird der neue H…..  nein, das sag ich jetzt nicht. Ich hätte es auch nicht gesagt. Aber vielleicht gedacht!

Also kann ich wohl nur erbitten, dass Ihr Eure Meinung vielleicht einfach nur denkt, wenn sie ein gewisses Maß überschreitet? Sachlich kann man ja diskutieren, aber vom Schwarz-Gelben Monster hab ich echt genug gehört!

Ich habe mal geschaut, was die politischen Gegnerwähler denn groß fürs Allgemeinwohl tun wollen.

Meinen Vater zum Beispiel, der mich fast verstoßen hätte weil ich FDP gewählt habe, weil er diese als absolutes Feindbild kultiviert hat. Ich erklärte ihm, was das dreistufige Steuermodell der FDP will: Es will eine Vereinfachung sein und somit fairer sein, weil es keine 1000 Steuersenkungsmöglichkeiten für zum großen Teil Besser-Verdienende mehr geben würde. Keine steuerlichen Wahlgeschenke mehr, mit der sich die Politik Stimmvieh kaufen kann.

Er: Echt? Das wäre schön!

Ich: Echt? Das fändest Du schön? Gut! Deine Pendlerpauschale wäre dann aber auch Geschichte!

Er: Ne, darauf will ich nicht verzichten!

Aber genau diese Menschen gelten dann als sozial??? Und mein Vater hält sich für sozial überlegen. Was ist eigentlich Eure Definition von sozial?

Es kommt doch nicht das Beste für die Allgemeinheit raus, wenn jeder nur für sich das Beste fordert!

Ich habe die Idee des Grundeinkommens ja auch sehr charmant gefunden. Habe mir alle Beiträge dazu geflissentlich angeschaut und gehofft, dass ein Finanzierungsplan dahinter steht. Doch ach, ich fand keinen. Nur immer die Aussage: Geld is ja genug da.

Ja, wo denn?

Ich lebe in einem solchen Paradies nicht. Und man kann es sich doch nicht einfach herbei definieren. Die Realität sieht doch anders aus! Wenn man nun aus guten Gründen gegen ein Grundeinkommen ist, so stellen einen die Befürworter dar, als wäre man gegen das Paradies auf Erden. Nein, bin ich nicht! Sobald es da ist freue ich mich, wie alle anderen auch!

Dann sind sie die Engel und man selbst gehört zu den Teufeln, die eben dieses Paradies verhindern.

Da sträuben sich mir doch die Nackenhaare!

Ich bin ein Mensch. Ich möchte anderen nichts böses. Ich möchte in meinem Lebensbereich Verantwortung übernehmen, auch für meine Mitmenschen, auch wenn manchmal die einzige Verantwortung ist, dass ich die Menschen meines Umfeldes nicht mit meinen Ängsten belaste. Ja, manchmal bin ich selbst so schwach, dass ich mehr nicht zu leisten in der Lage bin. Aber das eine möchte und MUSS ich dann tun! Und wenn ich das tue, dann fühle ich, ich habe auch trotz der Krankheit noch Handlungsspielraum! Dann fühle ich mich besser.

Bei allem Ärger bin ich ja froh, dass Ihr alle gute Menschen sein wollt. Echt! Ich weiß nur nicht, ob das gar so einfach geht, wie Ihr es manchmal darstellt. Strebt weiter nach dem Guten und müht Euch. Ich werde das auch tun. Mehr können wir alle nicht tun, aber das MÜSSEN wir!

Mein Wahlkrampf

27. September 2009

Noch während ich das Nachwahlgeschwurbel im Fernsehen höre, muss ich mir den inneren Stress der Wahl von der Seele schreiben.

So schwierig finde ich das. Schon diese zwei Kreuze zu machen fand ich sooo schwierig.

Ich möchte keine Steuersenkung. Ich möchte NICHT an der Kernenergie festhalten.

Dennoch habe ich mein Kreuz der FDP gegeben. Warum? Weil ich die Idee vom Bürgergeld im Studium schon sehr schön fand. Mit einem de facto steigendem Hartz IV-Satz. Durch das individuelle ansehen der Menschen, wird die Transferleistung hoffentlich gerechter! So wird es vielleicht nicht mehr so sein, dass eine 40-jährige Person, die nachgewiesen an Depressionen leidet (ich lernte so jemand in der Klinik kennen) Angst haben muss nach Verlust des Arbeitsplatzes auch noch aus ihrer Wohnung zu vertrieben zu werden(durch Hartz IV). Ebenso fand ich den Fokus auf die Eigenverantwortung dort anziehend, in Kombination mit der Stärkung der Bürgerrechte! Diese Richtung soll fortgeführt werden.

Genauso traue ich der FDP beim wichigsten Punkt, der Bildung, insgesamt am meisten zu!

Ich war, seit ich wählen kann immer treuer Grün-Wähler, doch ich finde, sie haben in der Rot/Grünen Koalition nicht wirklich viel vom Versprechen umgesetzt. (Rasen für die Rente)

Außerdem haben sie, wie die roten Parteien einen zwar sympathischen, aber auch verheerenden sozialträumerischen Touch.

Ich bin dafür, dass jeder von seiner Arbeit leben kann. Doch das muss von guten Unternehmern gewährleistet werden. Wenn der Staat dafür sorgt  wird es eine steigende Arbeitslosigkeit geben!

Um diese Unternehmer zu unterstützen könnte man doch die einzige Steuersenkung durchführen, die ich gut-heißen würde:

Die Umsatzsteuervorauszahlung soll abgeschafft werden! Es kann ja wohl nicht sein, dass ein Unternehmer Steuern von Rechnungen zahlen muss, BEVOR er je selbst Geld gesehen hat. Dann muss er einen Kredit aufnehmen der zur Zeit mind.15% Zinsen kostet und mit dessen Geld doch nur die Banken, ohne irgendeinen Mehrwert zu schaffen spekulieren können!

Ich wünsche der jetzigen Regierung, die ich mit Bauchweh auch gewählt habe, dass sie entschlossen aber mit Bedacht die nötigen Schritte tut!

Sie soll neben allen Fakten der wirtschaftlichen Realität, auch die Gefühle, die Hoffnungen und Ängste der Menschen in der Gesellschaft wahr und ernst nehmen und sie bitte nicht nur dafür missbrauchen, den Menschen Träume unter Missachtung der wirtschaftlichen Realität zu versprechen!

Das ist meine Meinung über die politische Welt, wie ich sie verstanden zu haben glaube!

Einstellungssache (aus der Sicht eines Hilfe Empfangenden)

30. August 2009

Nun, da ein Bug beseitigt wurde kann ich endlich wieder veröffentlichen. Und ich beginne mit einem streitbaren Artikel, der mir bestimmt bei etwaigen Lesern keine Sympathien einbringen wird…

Ende Juli war ich in der Klinik wegen eines MS-Schubes, dessen Auswirkungen sich nicht bessern wollten.

Ich war gerührt und beeindruckt, dass all die Menschen dort mir helfen wollten. Es waren auch einige andere MS-Patienten dort und ich fand es spannend, wie unterschiedlich Menschen mit dieser Erkrankung umgehen. Es gab positive Leute, die noch Weltreisen im Rollstuhl machten und es gab andere, die nur das Ende vor Augen hatten. Diejenigen, die nur an das Schlimmste dachten forderten auch aggressivst Hilfe von allen Schwestern an, klagten auf die teuersten Rollstühle und es war irgendwie immer zu wenig, was sie an Hilfe bekamen.

Ich denke, dass da ein Zusammenhang besteht. Ich glaube, dass ich die Erkrankung auch einst erschaffen habe, um mehr Zuwendung zu bekommen. Ich meine, ich sage nicht, dass ich Schuld an der Krankheit trage, ich versuche nur, dieses Aufmerksamkeitsfordernde in mir zu schwächen, indem ich meinen Lebenssinn verfolge.

Das ist immer das Einzige, was wirklich hilft.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Als ich noch gesund war, fand ich es selbstverständlich den Kranken zu helfen. Und ich möchte auch nicht in einer Gesellschaft leben, in der das nicht so ist!

Doch nun, als kranker Mensch, da darf ich diese Hilfe nicht als selbstverständlich einfordern. Die Berufe in diesem Bereich sind so schlecht bezahlt, dass die Dankbarkeit der Patienten ein Teil der Bezahlung sein muss!

Ebenso bin ich dafür verantwortlich, dass die mir helfenden Menschen auch merken dürfen, dass sie mir helfen und nicht an gefühlter Unwirksamkeit verzweifeln.

Ich habe für mich heraus gefunden, dass es immer besser ist die Situation zu sehen, wie sie ist. Mag sie auch noch so düster sein. Daran darf ich nur nicht verzagen! Es gibt IMMER Gestaltungsmöglichkeiten. Bis zur Stunde meines Todes habe ich die Wahl, wie ich mit einer Situation umgehe. Entscheidungsfreiheit! Diese Entscheidungsfreiheit IST meine Menschenwürde. Deshalb kann diese mir auch nicht genommen werden, auch wenn ich weiß, dass es einem durch äußere Umstände schwerer gemacht werden kann diese Würde zu empfinden

Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass der Hass auf Seiten der Hartz IV-Empfänger auf die Welt der “Mächtigen”entsteht weil man in den Medien immerzu mit Leuten konfrontiert wird, die im Luxus schwelgen, oder mit politischen Entscheidungen die ungerecht sind und Milliarden kosten. Des weiteren  kommt er wohl auch von der würdelosen Art, mit der man beim Arbeitsamt behandelt wird. Das ist systemimmanent einfach schlecht! Die ganze Atmosphäre, die eigentlich Mut-machend und wertschätzend sein sollte ist dort abwertend und deprimierend. Der Mensch soll doch bitte funktionieren. Nein! Der Mensch soll zu dem heranreifen, der er eigentlich immer schon war! Dazu sollten wir Menschen ermutigen!

Dafür müssen wir die Wunden der Menschen ernst- und annehmen, aber ihnen auch nicht die Eigenverantwortung nehmen.

Denn mir nimmt kein anderer Mensch, oder ein System die Würde. Das kann nur und ausschließlich ich selbst tun.

Am Ende bleibt doch nur wieder diese eine Wahrheit stehen:

Die einzig wahre, nachhaltige Hilfe ist die Hilfe zur Selbsthilfe!