Die „helle Seite“ des Tuns

Ich glaube, der Mensch kann in jeder Disziplin Erfüllung finden, wenn er mit Herzblut, also konzentriert und ohne Arbeit zu scheuen bei der Sache ist.

Er kann auch in allem, was er tun unglücklich werden, wenn er nur auf das schielt, was als Ertrag dabei heraus kommt. Wenn er seine Arbeit dazu gebraucht, um eine Wunde in seiner Seele zu bepflastern. Denn dann wird alles, was er für seine Arbeit bekommt zu wenig sein. Er wird unglücklich und verbittert, neidet anderen Menschen, dass sie mehr bekommen und sieht nur das, was andere haben und er nicht.

Dies ist die dunkle Seite der Macht, wie es in Starwars heißt. Sie führt zu keinen guten Ergebnissen und formt keine guten Menschen!

Man kann aber auch beim Tun Glück empfinden, oder wie bei Buddha empfinden, dass der Weg das Ziel ist.

Nehmen wir einen Koch, denn dort ist es besondern deutlich, weil diese Menschen kaum etwas verdienen (monetär) mit ihrer Kunst.

Ich kann Koch werden und ein Restaurant eröffnen, um viel Kohle zu machen. Das geht als Koch aber nur, wenn ich möglichst billig produziere.

Das heißt, ich kaufe beim Metro Mozzarellasticks, Sauce Hollandaise  und dergleichen in der Großpackung. Dann brauche ich eigentlich nur noch eine Mikrowelle und einen Billig-Arbeiter, der die Mikrowelle ein und ausräumt.

Ich glaube, bei einer solchen Tätigkeit kommt keine Freude auf, und das ist es, was den gefühlten Sinn , ausmacht. Freude und Selbstvergessenheit beim Tun!

Ich kann Schreiben, oder Kochen, oder Schreinern und die Tätigkeit an sich lieben, weil etwas unter und durch meine  Hände entsteht.

Ich kann wissenschaftlich tätig sein, weil das Erkennen von mir bis dahin unbekannten Zusammenhängen mich erfreut, mich begeistert, mich antreibt. Obwohl „antreiben“ missverständlich ist. Es ist ein inneres gezogen werden. Angetrieben wird man ja von außen. Getrieben noch ein Paper zu veröffentlichen, getrieben von den Schulden oder der Geldgeilheit, noch einen Stuhl möglichst schnell zusammenzuzimmern, oder noch schneller die Mikrowelle mit noch billigeren Erzeugnissen zu befüllen.

Wenn ich aber gezogen werde von meiner Idee, was gute Küche ist, dann werde ich den schweißtreibenden Job mit Feuereifer machen. Ich werde meine Speisen probieren, neue Ideen entwickeln, welches Kraut den Geschmack noch verbessern könnte, bis hin zum Meister Ferran Adria, der kochen zur reinen Kunstform erhob, der Texturen veränderte, der ein Labor besitzt, in dem die verschiedensten Geschmäcker und Gerüche anzutreffen sind, der Dinge verändert, die vor ihm noch keiner je anzutasten sich vorstellen konnte.

Es ist, als hätte der die Erde verlassen und sei zum Mars geflogen!

Man kann natürlich noch darüber hinaus gehen und sein Selbst, sein Leben zur Kunstform machen, zu etwas, das andere sich fasziniert ansehen und bewundern. Das wäre für den Spitzenkoch dann noch ein guter Lehrer zu sein für andere Köche, ein guter Partner und gegebenenfalls Vater zu sein. Ein Vorbild und eine Inspiration für andere Menschen, ein Vorbild, von dem andere Menschen sich gezogen fühlen es ihm gleich zu tun.

Was heißt das nun für mich persönlich?

Nun, ich kann körperlich nicht mehr so wirklich viel machen. Lange Zeit habe ich gehadert und gesagt „Das Leben ist im Körper, was soll ich noch machen?“

Damit habe ich die Menschen, die mir helfen wollten vor den Kopf gestoßen, habe sie mut- und hilflos gemacht!

Was also könnte noch meine Aufgabe sein?

Ich lernte in der Ausbildung zur Logotherapeutin: „Wer auf sein Leid steigt, der steht höher“

Das soll wohl heißen, wer trotz vieler Einschränkungen immer noch das tut, was ihm möglich ist und das andere gelassen hinnimmt, der kann für Andere noch eine Inspiration sein.

Also besinne ich mich auf das, was ich noch kann, vergleiche mich nicht mit gesunden Menschen und der Vielzahl ihrer Möglichkeiten. Außerdem unterliegt ja jeder bestimmten Restriktionen. Sei es zeitlichen, monetären, oder schlicht seiner Angst, etwas zu wagen!

Ich bin nichts Besonderes, ich bin ein Mensch, der versucht innerhalb seiner Möglichkeiten, sein Umfeld und die geliebten Menschen zu unterstützen! Dazu ist, glaube ich, jeder Mensch befleißigt! Das ist ja das Schöne und auch mein Glück, dass es Menschen gibt, die mir helfen wollen. Und ich danke es ihnen, indem ich ihnen zeige, dass ihre Hilfe auf fruchtbaren Boden fällt, dass ich dank ihnen dieses oder jedes noch zu leisten in der Lage bin, oder eben monetär. Kein Mensch kann immer nur nehmen, sowie auch kein Mensch immer nur geben kann. Wer gibt bekommt Anerkennung, Liebe, Dankbarkeit, Geld oder anderes zurück. Er darf es nur nicht wollen!!!

Wenn er das will, dann sind wir wieder beim getriebenen, bei dem, der nur auf das Ergebnis starrt!