Die Hass-Front der Gut-Menschen

boa, ich bin echt sauer, auch wenn ich weiß, dass das nicht der rechte Weg ist. Also schreibe ich es mir mal von der Seele…

Ich finde es so schlimm und eine Frechheit, dass man als Mensch in die Menschenfressergruppe gesteckt wird, nur weil man FDP gewählt hat. “Die kalten Jahre werden kommen” dieser Slogan bringt mich echt zur Weißglut. Schwarz-Gelb ist nun auch nicht meine letzte Traumkombination. Aber meines Erachtens die Beste, die wir gerade haben können. Jeder darf selbstverständlich anderer Meinung sein, gar kein Thema. Doch tun wir doch bitte nicht so, als hätte diese Regierung zum Ziel, nicht so leistungsfähige Menschen auszurotten, Ungleichheit zu zementieren und so etwas wie eine ethnische Säuberung durchzuführen.

Na ja, jetzt kann ich mal wieder etwas runter fahren. Hätten die “Anderen” gewonnen, was würde ich wohl denken? Wahrscheinlich: “OmG die werden uns total runterwirtschaften.  Niemand guckt mehr auf Alokation, alle nur noch auf Distribution. Großer Gott, der Lafontaine wird der neue H…..  nein, das sag ich jetzt nicht. Ich hätte es auch nicht gesagt. Aber vielleicht gedacht!

Also kann ich wohl nur erbitten, dass Ihr Eure Meinung vielleicht einfach nur denkt, wenn sie ein gewisses Maß überschreitet? Sachlich kann man ja diskutieren, aber vom Schwarz-Gelben Monster hab ich echt genug gehört!

Ich habe mal geschaut, was die politischen Gegnerwähler denn groß fürs Allgemeinwohl tun wollen.

Meinen Vater zum Beispiel, der mich fast verstoßen hätte weil ich FDP gewählt habe, weil er diese als absolutes Feindbild kultiviert hat. Ich erklärte ihm, was das dreistufige Steuermodell der FDP will: Es will eine Vereinfachung sein und somit fairer sein, weil es keine 1000 Steuersenkungsmöglichkeiten für zum großen Teil Besser-Verdienende mehr geben würde. Keine steuerlichen Wahlgeschenke mehr, mit der sich die Politik Stimmvieh kaufen kann.

Er: Echt? Das wäre schön!

Ich: Echt? Das fändest Du schön? Gut! Deine Pendlerpauschale wäre dann aber auch Geschichte!

Er: Ne, darauf will ich nicht verzichten!

Aber genau diese Menschen gelten dann als sozial??? Und mein Vater hält sich für sozial überlegen. Was ist eigentlich Eure Definition von sozial?

Es kommt doch nicht das Beste für die Allgemeinheit raus, wenn jeder nur für sich das Beste fordert!

Ich habe die Idee des Grundeinkommens ja auch sehr charmant gefunden. Habe mir alle Beiträge dazu geflissentlich angeschaut und gehofft, dass ein Finanzierungsplan dahinter steht. Doch ach, ich fand keinen. Nur immer die Aussage: Geld is ja genug da.

Ja, wo denn?

Ich lebe in einem solchen Paradies nicht. Und man kann es sich doch nicht einfach herbei definieren. Die Realität sieht doch anders aus! Wenn man nun aus guten Gründen gegen ein Grundeinkommen ist, so stellen einen die Befürworter dar, als wäre man gegen das Paradies auf Erden. Nein, bin ich nicht! Sobald es da ist freue ich mich, wie alle anderen auch!

Dann sind sie die Engel und man selbst gehört zu den Teufeln, die eben dieses Paradies verhindern.

Da sträuben sich mir doch die Nackenhaare!

Ich bin ein Mensch. Ich möchte anderen nichts böses. Ich möchte in meinem Lebensbereich Verantwortung übernehmen, auch für meine Mitmenschen, auch wenn manchmal die einzige Verantwortung ist, dass ich die Menschen meines Umfeldes nicht mit meinen Ängsten belaste. Ja, manchmal bin ich selbst so schwach, dass ich mehr nicht zu leisten in der Lage bin. Aber das eine möchte und MUSS ich dann tun! Und wenn ich das tue, dann fühle ich, ich habe auch trotz der Krankheit noch Handlungsspielraum! Dann fühle ich mich besser.

Bei allem Ärger bin ich ja froh, dass Ihr alle gute Menschen sein wollt. Echt! Ich weiß nur nicht, ob das gar so einfach geht, wie Ihr es manchmal darstellt. Strebt weiter nach dem Guten und müht Euch. Ich werde das auch tun. Mehr können wir alle nicht tun, aber das MÜSSEN wir!

5 Antworten zu “Die Hass-Front der Gut-Menschen”

  1. christian sagt:

    Zu erst muss ich gestehen, dass ich förmlich auf diesen Beitrag gewartet habe.
    Sicherlich, da muss ich dir zustimmen, ist schwarz-gelb nicht die Traumkombination aber von Anfang stand ich hinter schwarz-gelb mit einer starken FDP. Dieser Fall ist nun fast so eingetreten. Ich glaube ebenfalls fest daran, dass eine liberaler Marktwirtschaft langfristig das beste ist was uns passieren kann. Es kann nicht Ziel sein, Geld zu verteilen das nicht da ist. Ich halte auch nichts von unsinnigen Steuergesetzen nach dem Motto: “die Reichen finanzieren die Armen durch erhöhte Steuerbelastungen, durch Erbschaftssteuer etc.” Das ist non sense….

    Von einem starken Markt, mit hohen Umsätzen profitieren wir alle. Öffnen wir unsere Märkte über die EU-Grenzen hinaus. Lektüre über den klassischen Liberalismus liest sich leichter als sozialistische Ideen, die im ersten Moment natürlich super klingen aber keineswegs nachhaltig sind.

    Ich glaube, dass wir alle mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen damit wir dieses Land voran bringen und auch uns selbst ein Stück weiter bringen.

    Wir können und sollten uns nicht immer darauf verlassen, dass alles schon irgendwie läuft. Mitmachen statt abwarten.

  2. Heike sagt:

    Lieber Christian,
    zuerst mal danke für Deinen Kommentar!
    Doch ich glaube, es gab oder gibt hier einige Missverständnisse. Das Platon’sche Problem der Schrift… :)
    Also mit der Eigenverantwortung gebe ich Dir Recht! Nur – nicht jeder Mensch hat das gelernt. Diese Menschen müssen wir unterstützen und ihre Persönlichkeiten stärken, auf dass sie verantwortlich leben können. Wir sind auch nicht nur für uns Selbst verantwortlich. Ebenso tragen wir Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe! Weswegen ich den Ausstieg vom Atomausstieg wirklich nicht gut finde!
    Und: Nicht nur schwache und arme Menschen können psychisch krank sein. Die Krise wurde vornehmlich von kranken starken Giermenschen heraufbeschworen. Auch denen muss geholfen werden, aber ebenso ihre kranke zerstörerische Kraft in gute gesellschaftliche Rahmen gesperrt werden. Deswegen bin ich kein marktliberaler Mensch, sondern ein neoliberaler.
    Erbschaftssteuer würde ich sogar auf 100% festlegen. Dann würde ich das Haus meiner Eltern nicht erben und mein Mann nicht das seiner Eltern. Aber wir haben dafür auch nichts getan. Und ich fände das ein guter Weg Geld-Dynastien zu zerschlagen.
    Und ehrlich, ich habe mich schon öfter mit Dir unterhalten und kann nicht glauben, dass Du den Liberalismus predigen würdest. DAS wäre nun wirklich so was wie kalt, würde ich finden! Oder wie meinst Du, was Du geschrieben hast??
    Liebe Grüße,
    Heike

  3. christian sagt:

    Grundsätzlich glaube ich, dass der Markt für die Allokation der Ressourcne sorgt. Das funktioniert aber nur durch freie Märkte. Diese haben wir nicht und wir sind sehr weit davon entfernt. Von daher ist klassischer Liberalismus eine Utopie und auch nicht sinnvoll. Liberalismus heißt für mich, keine staatlichen Eingriffe in den markt, keine künstlichen Hemmnisse. Liberalismus, egal ob nun ein Neo- davor oder nicht muss an heutige Gesellschaftsformen angepasst und darin integriert werden, zum Wohle der Allgemeinheit.

  4. Heike sagt:

    Lieber Christian,
    was die irre Subventionierung angeht, Firmenrettungen und andere schädliche Pseudoeingriffe des Staates, da gebe ich Dir Recht!
    ABER es macht für mich schon einen Riesenunterschied ob ich liberal sage, der Markt regelt alles, oder ob ich als Neoliberaler weiß, dass Informationsasymmetrien den Markt eklatant verzerren, wie man ja bei der Finanzkrise ja sah. Dann MUSS ich als Staat doch eben eingreifen, um das Fiasko zu verhindern und die Verzerrungen so weit wie möglich aufzuheben.
    Auch gibt es Menschen, deren Arbeitskraft wegen geringer Bildung oder was auch immer nicht ausreicht um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dann muss ich möglichst ohne dass es zu Verzerrungen kommt diese Menschen unterstützen. Die Gut-Menschen sagen, das müssen wir tun, weil wir die Kraft haben, dass es JEDEM Menschen gut gehen kann, also müssen wir das auch tun. (Dieser Meinung bin ich auch) Sie sagen nur ganz genau, dass sie das Leid anderer Menschen nicht aushalten, was ich sympathisch finde. Die Neoliberalen sagen, das müssen wir tun, weil es sonst zu gesellschaftlichen Unruhen kommt. Der Schluss ist der Selbe. Nur klingt das Neoliberale eben kälter, weil es das Ganze sieht und nicht um den Einzelnen explizit besorgt scheint…
    Aber so was wirst Du dann doch mit ” Liberalismus, egal ob nun ein Neo- davor oder nicht muss an heutige Gesellschaftsformen angepasst und darin integriert werden, zum Wohle der Allgemeinheit” meinen oder nicht?
    Liebe Grüße,
    Heike

  5. christian sagt:

    “[..] muss an heutige Gesellschaftsformen angepasst und darin integriert werden, zum Wohle der Allgemeinheit”, dem Stimme ich zu 100% zu. Liberal funktioniert weil es skalierbar ist.
    Ich finde es natürlich erstrebenswert, dass der Markt sich selbst reguliert, das ist aber eine Utopie und das war es schon immer. Genauso war ein großer Teil der Finanzkrise kein Problem, dass der markt auslöste. In Deutschland waren vermehrt die Landesbanken in großen Nöten…
    In meinen Augen sollte der Staat die letzte Instanz sein die eingreift und nicht die erste.Wir propagandieren den Sozialstaat, dieser Sozialstaat entzieht sich zu einem Großteil der Verantwortung in dem er erstmal nur gibt. Wir sollten mit diesem “Pauschalgeben” aufhören sondern dort helfen wo Hilfe wirklich benötigt wird.

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