interessante Wochenerkenntnis! (für mich)

Diese Woche habe ich etwas für mich sehr entscheidendes gelernt.
Ich darf nicht mal einen Tag nur vor dem Fernseher rumlungern!
Das ist für Euch wahrscheinlich schon länger klar, oder die Frage ergibt sich für Euch gar nicht…
Doch, da ich meine Arbeit von zu Hause aus erledigen kann und es sowieso nicht so arg viel ist, habe ich mich früher, also vor 5-7 Jahren öfter dazu hinreißen lassen.
Ich litt zu dieser Zeit unter hinreichend großen Depressionen.
Klar sagt man, mit Depressionen fehlt einem der Antrieb, das weiß jeder. Und es gibt sicher auch Menschen, die von heute auf morgen von einem arbeitsamen und freudvollen Leben in ein Loch fallen. Hier scheint mir die Erklärung mit der veränderten Hirnchemie plausibel. Bei mir jedoch war es ein mehr schleichender Prozess.
Sicher, ich habe MS. Da kann man sich ohne viel Mühe etliche physiologische und psychologische Faktoren denken, die in einer Depression münden. Ich persönlich habe meine unglückliche Kindheit dafür verantwortlich gemacht. Eltern müssen ja doch immer was falsch machen. Das gehört zum Eltern sein wohl dazu. Du musst einen kleinen Menschen erziehen. Ihn lehren mit der Welt zurecht zu kommen. Dabei hast Du aber nur Deine eigenen Erfahrungen, die Guten, wie auch die Schlechten, die Deinen Ratschlag beeinflussen.
Daher fand ich diese Begründung, die ich über Jahre vor mir her schob nicht mehr wirklich zielführend. Sie brachte mich ja nicht weiter. Im Gegenteil, sie verlangte geradezu ein Verharren in Trauer, weil ich mir ja wünschte, meine Eltern würden sich ändern und so sein, wie ich sie mir wünschte.
Gut, die Eltern waren also als Grund raus. Der Grund ist ja vielleicht auch nicht wichtig? Wichtig ist das Leben. Mein Leben. Jetzt!
Und seit ich das so sehe, lebe ich eigentlich ganz gut!
Diesen Montag hatte ich nun ein Erlebnis beim Rumgammeln. Ich lag nach den turbulenten und recht arbeitsamen Weihnachtstagen auf dem Sofa vor der Glotze und langweilte mich genüsslich. Auf einmal kamen wieder Fragen in mir hoch, die ich schon lange nicht mehr kannte, die ich aber leider als alte Freundfeinde identifizierte. „Was hat mein Leben eigentlich für einen Sinn?“ “ Liebt mein Partner mich auch genug“ und viele Fragen die um mich Selbst kreisten.
Am Ende des Tages fühlte ich mich müde, mein Körper fühlte die Einschränkungen deutlicher und ich war traurig.
Ich beschloss am nächsten Tag wieder mehr zu tun. Der Morgen war eher hart. Nichts schien mir Sinn zu machen. Alles in mir war grau. Warum sollte ich also noch etwas tun, außer jammern?
Ich zwang mich also das Bad zu putzen. Und oh Wunder, als ich damit fertig war sag ich zum Radio. Noch nicht wirklich fröhlich, aber immerhin!
Ich sagte mir, dass niemand außer mir selbst mich aus der dunklen Stimmung befreien könnte. Ein riesen Unterschied! Früher da erwartete ich, dass mein Partner mich gefälligst trösten sollte. Ich erwartete die Hilfe von außen!
Diese Erkenntnis oder besser das Bekenntnis zur Verantwortung für mich Selbst machte mich irgendwie stolz! Ja, ICH bin verantwortlich für mich! Und ICH bin auch dafür verantwortlich, dass mein Partner nicht heim kommt und einen Trauerklos vorfindet. Und ich beschloss ihm lieber ein leckeres Essen zu kochen.
Da kochen mich sowieso immer irgendwie glücklich macht gab es keine Probleme mehr. Ich hatte das Ruder herum gerissen. Ich ganz allein!
Ich gehe auch ganz anders mit Misserfolgen um, seit ich das für mich weiß, dass ich das kann. Ich sag schon mal laut Scheiße, wenn ich mich schneide oder verbrenne, aber es bringt mich nicht mehr aus der Ruhe. Nicht für eine Sekunde. Pflaster rum und fertig! Oder wenn zig Töpfe auf einmal köcheln und alles gleichzeitig fertig sein soll. Dann arbeite ich ruhig und konzentriert weiter. So schnell ich kann. Versuche nicht hektisch schneller zu arbeiten, als ich kann und verderbe so alles. Und es ist fast wie ein Wunder! Ich bekomme die Dinge immer fertig! Gelungen!
Ich glaube das ist so, weil ich mich niemals während der Arbeit frage, ob es auch was wird, oder warum mir XY nicht hilft. Ich arbeite allein und es ist klar, dass es mir bestmöglich gelingt! Und das ist gut so.
„Handeln, dann handeln“ sagt die etwas verwirrte Putzfrau von Herrn Lose, Frau Kleinert in Loriots Meisterwerk „Papa ante Portas“.
Ich fand das immer sehr lustig. Nun scheint es mir fast zu meinem neuen Lebensmotto zu werden. 🙂