Einstellungssache (aus der Sicht eines Hilfe Empfangenden)

Nun, da ein Bug beseitigt wurde kann ich endlich wieder veröffentlichen. Und ich beginne mit einem streitbaren Artikel, der mir bestimmt bei etwaigen Lesern keine Sympathien einbringen wird…

Ende Juli war ich in der Klinik wegen eines MS-Schubes, dessen Auswirkungen sich nicht bessern wollten.

Ich war gerührt und beeindruckt, dass all die Menschen dort mir helfen wollten. Es waren auch einige andere MS-Patienten dort und ich fand es spannend, wie unterschiedlich Menschen mit dieser Erkrankung umgehen. Es gab positive Leute, die noch Weltreisen im Rollstuhl machten und es gab andere, die nur das Ende vor Augen hatten. Diejenigen, die nur an das Schlimmste dachten forderten auch aggressivst Hilfe von allen Schwestern an, klagten auf die teuersten Rollstühle und es war irgendwie immer zu wenig, was sie an Hilfe bekamen.

Ich denke, dass da ein Zusammenhang besteht. Ich glaube, dass ich die Erkrankung auch einst erschaffen habe, um mehr Zuwendung zu bekommen. Ich meine, ich sage nicht, dass ich Schuld an der Krankheit trage, ich versuche nur, dieses Aufmerksamkeitsfordernde in mir zu schwächen, indem ich meinen Lebenssinn verfolge.

Das ist immer das Einzige, was wirklich hilft.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Als ich noch gesund war, fand ich es selbstverständlich den Kranken zu helfen. Und ich möchte auch nicht in einer Gesellschaft leben, in der das nicht so ist!

Doch nun, als kranker Mensch, da darf ich diese Hilfe nicht als selbstverständlich einfordern. Die Berufe in diesem Bereich sind so schlecht bezahlt, dass die Dankbarkeit der Patienten ein Teil der Bezahlung sein muss!

Ebenso bin ich dafür verantwortlich, dass die mir helfenden Menschen auch merken dürfen, dass sie mir helfen und nicht an gefühlter Unwirksamkeit verzweifeln.

Ich habe für mich heraus gefunden, dass es immer besser ist die Situation zu sehen, wie sie ist. Mag sie auch noch so düster sein. Daran darf ich nur nicht verzagen! Es gibt IMMER Gestaltungsmöglichkeiten. Bis zur Stunde meines Todes habe ich die Wahl, wie ich mit einer Situation umgehe. Entscheidungsfreiheit! Diese Entscheidungsfreiheit IST meine Menschenwürde. Deshalb kann diese mir auch nicht genommen werden, auch wenn ich weiß, dass es einem durch äußere Umstände schwerer gemacht werden kann diese Würde zu empfinden

Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass der Hass auf Seiten der Hartz IV-Empfänger auf die Welt der „Mächtigen“entsteht weil man in den Medien immerzu mit Leuten konfrontiert wird, die im Luxus schwelgen, oder mit politischen Entscheidungen die ungerecht sind und Milliarden kosten. Des weiteren  kommt er wohl auch von der würdelosen Art, mit der man beim Arbeitsamt behandelt wird. Das ist systemimmanent einfach schlecht! Die ganze Atmosphäre, die eigentlich Mut-machend und wertschätzend sein sollte ist dort abwertend und deprimierend. Der Mensch soll doch bitte funktionieren. Nein! Der Mensch soll zu dem heranreifen, der er eigentlich immer schon war! Dazu sollten wir Menschen ermutigen!

Dafür müssen wir die Wunden der Menschen ernst- und annehmen, aber ihnen auch nicht die Eigenverantwortung nehmen.

Denn mir nimmt kein anderer Mensch, oder ein System die Würde. Das kann nur und ausschließlich ich selbst tun.

Am Ende bleibt doch nur wieder diese eine Wahrheit stehen:

Die einzig wahre, nachhaltige Hilfe ist die Hilfe zur Selbsthilfe!