Vielfalt schätzen

Ich bin nach so kurzer Zeit schon beeindruckt, welch Vielfalt an menschlichem Verhalten ich sehen darf. Und ich freue mich echt darüber. Ich habe die Autoren von zwei Kommentaren gebeten, ob ich ihre Kommentare für einen Artikel verwenden darf.

Hui, das finde ich eine sehr große Verantwortung. Ich rede ja letztendlich ÜBER zwei Menschen, die ich nicht einmal persönlich kenne.

Nun ja, aber da ich echte Wertschätzung für die Kommentare empfinde stehen die Chancen gut, dass ich es einiger Maßen hinbekomme.

Da wäre zuerst ein glasklarer Kommentar von Ekeldude, wie mit dem Skalpell geschnitten:

„der unterschied ist die sichtweise. du willst gewürdigt werden, richtest dich also nach aussen. ich meine du willst besser “dastehen” richte mich also an dich. das problem kann bei anderer betrachtung ganz harmlos aussehen. und du kümmerst dich eben nicht um das was du willst. was willst du denn? was weiss ich was du willst. du willst auf jeden fall eine gute gemütliche stellung in der hierarchie. dann kümmere dich um dich. nicht um die anderen, ja das klingt komisch.

ehrlich zu sich selbst sein! ohne rücksicht auf wunden!

ich habe keine empfindlichkeiten die der rede wert sind. jeder hat so seine dinge die ihn beschäftigen. ich bin einfach ehrlich zu mir und bewahre mir immer etwas von “esperanza”…

ABER: es gibt keinen masterplan. wenn du nicht deinen weg gehst, dann gehst du garnicht! manchmal ist es schwierig, da zeigt sich wie gut du bist!
ABER: es gibt auch kein gut und böse! es gibt nur sein. jeder ist sich selbst der richter und der henker! …“

Diesen Artikel fand ich wunderschön, weil er durchwegs wahr ist. Aber, lieber Ekeldude, ich denke nicht, dass ich per Beschluss über meine Wunden hinweg gehen kann. Die meisten Menschen, oder zumindest alle, die nicht die gleiche, oder ähnliche Wunden, oder Empfindlichkeiten haben SEHEN die Wunde und wissen, was zu tun wäre. Nicht so wunderschön und glasklar wie Du es geschrieben hast, aber als Ahnung.

Doch ich habe Jahre gebraucht, mir erstens überhaupt darüber klar zu werden, dass das meine Wunden sind, die mir Schmerzen bereiten und nicht die böse Welt. Zweitens brauchte es wieder lange Zeit, bis ich mir das anhören konnte, wenn jemand mir die Wahrheit sagt und drittens lerne ich gerade, wie ich mit den Wunden umgehen muss, wann sie mein Handeln bestimmen wollen und wann nicht.

Das ist eben ebenfalls eine unumstößliche Wahrheit. Eine innerpsychische.

Und Du verlangst viel von Deinen Mitmenschen, wenn Du möchtest, dass die Wahrheit gesehen werden kann, ohne, dass Du auf Empfindlichkeiten Rücksicht nimmst. Ich weiß ja auch gar nicht, ob Du das anstrebst… Auch kann ich verstehen, dass Du die Nase voll davon hast das Wahre immer irgendwie verpacken zu müssen. (und von Redundanzen, gell? 🙂 ) Aber ohne Rücksicht verbreitet sich die Wahrheit eben eher schleppend. Alles zu seiner Zeit, finde ich. (Inhaltlich gehe ich auf den Kommentar noch einmal bei den Kommentaren ein, wenn alls Seismographen in mir Ruhe geben, eben)

Dann hätte ich als fast genaues Gegenteil einen wundervoll warmen Kommentar von Sternenmädchen: das war zu einem anderen Artikel. 

„ja, deine sichtweise auf “allgemeine”, NICHT von menschen in deiner unmittelbaren persönlichen umgebung , gemachte verletzungen , die

finde ich gut. Ich bin sogar der meinung, daß mich manche menschen gar nicht verletzen können, weil ich zu wenig bezug zu ihnen habe.
in meinem weblog habe ich einen leitspruch angeführt, den ich mir von marc aurel dem römischen kaiser ausgeliehen habe : ” es wäre dumm , sich über die welt zu ärgern; sie kümmert sich nicht darum”.
mit hilfe dieses aphorismus, ist es mir schon manchesmal gelungen, eine zugefügte verletzung mit “einfach ignorieren und vergessen ” , abzuhaken.“

Wie wunderbar Sternenmädchen mir signalisiert, dass sie nachempfinden kann, was meine Probleme mit verletzt werden sind, und woran ich gerade arbeite. Sie macht das bestimmt nicht bewusst, ein gütiges Herz hat sie in ihrem Leben sicher gelehrt, was Menschen brauchen. Und so fühlt man sich bei ihr, wie in den Arm genommen und geborgen. Und um dennoch zu vermeiden, dass wir gemeinsam stehen bleiben in einer Verhaltensweise, die wir ja beide nicht gut finden, hängt sie noch das Wort des römischen Kaisers an. Durchweg positiv ist diese Kommunikation.

Ich weiß nicht, ob das immer gut ist so zu kommunizieren, aber ich habe mich sehr gefreut über den warmen Kommentar. Eine andere Frage ist dann die, ob das Einzige, was so liebe Menschen tun können ist, dass sie eben Beleidigungen an sich abprallen zu lassen.

 

Glasklare, schnörkellose, nur auf eine Wahrheit ausgerichtete Kommunikation. Sie glitzert wie ein Diamant. Aber der wunderbare Mensch, der das schreibt nennt sich selbst Ekeldude. ???

Und die warme, seelenvolle und sehr einfühlsame Einlassung von Sternenmädchen.

Dennoch muss ich ein bisschen traurig feststellen, dass ich, als auch eher gefühlsbetonter Mensch, hier vielleicht auch ein wenig unfair zum ersten Kommentar war. Und bin mir deshalb etwas unsicher, was diesen Beitrag angeht.

Ich finde beide Kommentare letztendlich aber ganz wundervoll und habe mich deshalb dazu entschlossen. Denn ich finde, dass hier im web 2.0 oftmals etwas vorschnell auf Konsens gemacht wird. Das ist nicht Web 2.0 spezifisch, das ist überall so. Vielleicht fiel es mir hier nur auf, weil ich es hier überhaupt nicht erwartet habe