Was sind Gespräche?

Heute erhielt ich einen Anruf von meiner Tante aus Berlin.

Langes Gerede: Wie geht es Dir, wir müssen uns mal wieder sehen, was machst Du denn so?

Ich habe wahrheitsgemäß erzählt. Sie war dann doch froh, dass ich „was zu tun habe“. Ich glaube, dass ich das Backoffice für meinen Mann mache und hierfür auch Geld erhalte ist nicht in ihrem Vorstellungsbereich. Dem Bereich, in dessen Rahmen sie etwas überhaupt wahrnehmen kann. Sie ist nicht uralt und auch nicht geisteskrank.

Und so probierte ich etwas aus: Ja, und dann bin ich gerade noch mit meinem Blog beschäftigt. Sie sagte nur: Aha. Es hat nicht den Weg in ihr Bewusstsein geschafft, oder sie fand es einfach öde, ohne zu wissen, was es ist. Davon gehe ich jetzt aber mal nicht aus.

Ich weiß zum Beispiel ganz sicher, dass sie nicht weiß, was ein Blog ist.

Und sie hat danach noch eine halbe Stunde mit mir geplaudert.

Also gehe ich, nachdem ich von einem System der Anzeichenidentifizierer in uns weiß (wen es hier interessiert: Topothesie, der Mensch in artgerechter Haltung von Gunter Duck) , davon aus, dass es einfach nicht als Anzeichen identifiziert wurde und somit gar nicht wahrgenommen wurde. So etwas geschieht mir häufiger.

Und ich denke mir, dass ich auch solche blinden Flecken habe. Wie ein Kind wieder weit in der Wahrnehmung zu sein scheint mir ein wichtiger Punkt der Reife zu sein. Für mich zumindest. Es könnte sein, dass die „Matrix“ auch eben dieses Phänomen beschreibt. Und zwar aus der Sicht eines nicht System-Menschen.

Anzeichenidentifizierer sind wohl so etwas wie Rezeptoren im ganzen Körper, die nur bei bestimmten Sinneseindrücken ausschlagen, welche bestimmte Anzeichen enthalten. (bei Männern oft jung, blond, langhaarig, langbeinig, vollbusig 🙂 ) Bei Ausschlag wird dem  Gehirn signalisiert, dass sich Aufmerksamkeit lohnt. Es werden also bestimmte wenige Dinge wahrgenommen und identifiziert um dann Rückschlüsse auf die ganze Situation zu ziehen. Vorteil: Schnelligkeit. Nachteil: Ungenauigkeit + eine Vorauswahl durch die Aufmerksamkeit auf bestimmte wenige Anzeichen.