kurzzeitiger Selbst-Verlust…

nun habe ich meinen Beitrag überdacht.

Ich will mich gerne entschuldigen, falls den letzten Beitrag jemand gelesen haben sollte.

Für S21 bin ich weiterhin. Der große Graben, der Stuttgarts Seele durchtrennt belastet mich auch immer noch.

Doch ICH hätte mich nicht dazu hinreißen lassen dürfen genauso zu handeln, wie ich es selbst verachte!

Den anders denkenden in der Masse über einen Kamm scheren und ihn mit dem Schimpfwort Gutmensch etikettieren und ihn in eine Schublade stecken. Wie konnte ich das tun? Ich habe mich das sehr ernsthaft gefragt, zwischendurch gekocht, um wieder zu mir zu finden und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Es ist wieder so eine alte Kindheitsgeschichte. Wenn ich mich abgelehnt fühle, dann fange ich zu hassen an. Wahrscheinlich, weil es einfacher ist von jemandem abgelehnt zu werden, den man hasst.

Das ist natürlich ein Bug! Mich persönlich hat ja keiner abgelehnt. Es sind einfach Beschimpfungen hin und her geflogen. Viel verbrannte Erde.  Es geht ja auch um viel. Beide Parteien sorgen sich um Stuttgarts Zukunft! Ich mag meine Stadt. Viel Grün gibt es da. Ein hohes kulinarisches und kulturelles Niveau und überall gibt es lauschige Ecken, in denen Liebespaare ihr Glück finden, Kinder spielen und man ganz für sich einen Lieblingsort finden kann. Meiner ist bei den Gänsen im Höhenpark.

Ich kann es ja akzeptieren, wenn andere Menschen diese Stadt ebenso lieben, aber meinen, ihr sei anders geholfen.

Aber warum muss das alles so extrem ausgefochten werden?

Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich physisch nicht mehr dazu in der Lage bin, für meine Überzeugungen einzustehen. Das macht mich irgendwie zum hilflosen Zuschauer. Hilflosigkeit ist ein fabelhafter Nährboden für Hass.

Dennoch meine ich, können wir (mich eingeschlossen) uns nicht friedlich auf eine Infrastruktur einigen? Können wir nicht begreifen, dass wir beide gleich gut oder schlecht, klug oder dumm sind und nur unterschiedliche Prämissen haben? Den unterschiedlichen Aussagen vertrauen?

Müssen wir einen Wind veranstalten wie im nahen Osten? Wie können wir hoffen, dass dort jemals Frieden herrschen wird, wenn wir es hier im größten Wohlstand nicht hinbekommen? Bei uns ist zum Glück noch kein Blut geflossen, kein Leben wurde genommen.

Ich kann nun besser nachvollziehen, wie so etwas schreckliches geschehen kann, glaube ich. Es ist hier natürlich alles nur auf verbale Gefechte beschränkt, aber dennoch wird die Menschenwürde des Gegners doch oft aufs ekelhafteste missachtet. Wie von mir in meinem letzten Artikel. Vielleicht finden jetzt einige, das sei übertrieben?

Nein! Denn bei dieser Art Dingen muss man wirklich den Anfängen wehren! Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich schon eine Grenze überschritt. Wie ein dunkler Wurm frisst sich der (zuerst noch geleugnete) Hass in die Herzen.

Und wenn ich mich auf Twitter so umschaue, dann scheine ich nicht die Einzige zu sein, der es so ergangen ist. Von Gerontenstadel (Gelöbnis von W. Sittler) bis hin zu fettärschigen Mongos, als welche die Befürworter beschimpft wurden ist alles zu finden.

Doch es gibt zum Glück noch die Stimmen der Vernunft, die mich auf Twitter auf meinen falschen Weg hingewiesen haben. Zum Glück auch waren meine Ohren dafür noch offen!

Meine Ohren sind offen, wenn ein guter Mensch mich in Freundschaft anspricht. Ist das bei Euch nicht auch so? Könnt Ihr nicht auch innerhalb der Familie (sofern sie einiger Maßen intakt ist) alle möglichen Meinungen ertragen, ohne den Verwandten gleich der Dummheit oder Bosheit zu bezichtigen?

Manchmal glauben wir Dinge, einfach aus Gewohnheit

Das weiß jeder von uns! Doch es geschieht dennoch immer wieder jeden Tag, jedem von uns. Dabei ist dieser Gewohnheitsglaube oft dumm und manchmal sogar schädlich! Er ist Nährboden für Vorurteile und Aggressionen sowie Resignation. Warum also denken oder glauben wir so? Wahrscheinlich, weil es so bequem ist, weil Unbekanntes Angst macht oder schlicht, weil es uns in den allermeisten Fällen gar nicht bewusst ist.

Ich bringe mal ein sehr simples, weil auf den ersten Blick erkennbar dummes Beispiel, das mir selber so widerfahren ist.

Mein Leben lang hieß es: Kind, Du hast eben von Natur aus trockene Haut, da kann man nix machen, wenn es Dich oft juckt. Dann lernte ich meinen Mann kennen und er hatte ganz babyweiche Haut. Ich sagte ihm: Boa, was für tolle Haut Du hast, Du hast es gut! Er sagte mir, er würde sich auch täglich eincremen. Das wiederum vernahm ich aus unerklärlichen Gründen nicht.

Erst 10 Jahre später, als ich schon 31 Jahre alt war, schien es endlich zu mir durchgesickert. 10 Jahre!!! Und auch davor bin ich nie auf die Idee gekommen, auch mit Werbung nicht, einmal eine Hautcreme zu benutzen. Nun mache ich das schon ein paar Jahre und habe seitdem nie mehr Hautjucken gehabt. Ich musste zwar erst 1/2 Jahr cremen, um erste Erfolge zu spüren. Aber der falsche Glaube und eine ungesunde Schicksalsergebenheit wurde mir dann erst klar.

Nun, ich weiß, das ist ein fast lächerliches Beispiel, aber ich weiß nicht, ob es denn etwas bringen kann, wenn ich hier anmahne die Dinge von denen wir überzeugt sind immer mal wieder ernsthaft zu hinterfragen? Denn je fester die Überzeugung, umso weniger ist sie uns als „Überzeugung“ bewusst. Sie ist dann in uns wie ein Naturgesetz, oder wie das Atmen. 10 Jahre mit einem Menschen, den ich liebe! hat es bei mir gebraucht…

Was also tun? Ich weiß es auch nicht genau. Ich mache es bei mir nun zumindest mal so, dass ich, wann immer ich ad hoc denken mag: Hat der und der es gut, oder: kann dieser das toll, wie gemein, ich mir dann den Menschen genauer ansehe und mich frage: Was tut er anders als ich?

Das mag ein erster Schritt sein, hin zu einem erweiterten Bewusstsein…. Hope so!!!

Einstellungssache (aus der Sicht eines Hilfe Empfangenden)

Nun, da ein Bug beseitigt wurde kann ich endlich wieder veröffentlichen. Und ich beginne mit einem streitbaren Artikel, der mir bestimmt bei etwaigen Lesern keine Sympathien einbringen wird…

Ende Juli war ich in der Klinik wegen eines MS-Schubes, dessen Auswirkungen sich nicht bessern wollten.

Ich war gerührt und beeindruckt, dass all die Menschen dort mir helfen wollten. Es waren auch einige andere MS-Patienten dort und ich fand es spannend, wie unterschiedlich Menschen mit dieser Erkrankung umgehen. Es gab positive Leute, die noch Weltreisen im Rollstuhl machten und es gab andere, die nur das Ende vor Augen hatten. Diejenigen, die nur an das Schlimmste dachten forderten auch aggressivst Hilfe von allen Schwestern an, klagten auf die teuersten Rollstühle und es war irgendwie immer zu wenig, was sie an Hilfe bekamen.

Ich denke, dass da ein Zusammenhang besteht. Ich glaube, dass ich die Erkrankung auch einst erschaffen habe, um mehr Zuwendung zu bekommen. Ich meine, ich sage nicht, dass ich Schuld an der Krankheit trage, ich versuche nur, dieses Aufmerksamkeitsfordernde in mir zu schwächen, indem ich meinen Lebenssinn verfolge.

Das ist immer das Einzige, was wirklich hilft.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Als ich noch gesund war, fand ich es selbstverständlich den Kranken zu helfen. Und ich möchte auch nicht in einer Gesellschaft leben, in der das nicht so ist!

Doch nun, als kranker Mensch, da darf ich diese Hilfe nicht als selbstverständlich einfordern. Die Berufe in diesem Bereich sind so schlecht bezahlt, dass die Dankbarkeit der Patienten ein Teil der Bezahlung sein muss!

Ebenso bin ich dafür verantwortlich, dass die mir helfenden Menschen auch merken dürfen, dass sie mir helfen und nicht an gefühlter Unwirksamkeit verzweifeln.

Ich habe für mich heraus gefunden, dass es immer besser ist die Situation zu sehen, wie sie ist. Mag sie auch noch so düster sein. Daran darf ich nur nicht verzagen! Es gibt IMMER Gestaltungsmöglichkeiten. Bis zur Stunde meines Todes habe ich die Wahl, wie ich mit einer Situation umgehe. Entscheidungsfreiheit! Diese Entscheidungsfreiheit IST meine Menschenwürde. Deshalb kann diese mir auch nicht genommen werden, auch wenn ich weiß, dass es einem durch äußere Umstände schwerer gemacht werden kann diese Würde zu empfinden

Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass der Hass auf Seiten der Hartz IV-Empfänger auf die Welt der „Mächtigen“entsteht weil man in den Medien immerzu mit Leuten konfrontiert wird, die im Luxus schwelgen, oder mit politischen Entscheidungen die ungerecht sind und Milliarden kosten. Des weiteren  kommt er wohl auch von der würdelosen Art, mit der man beim Arbeitsamt behandelt wird. Das ist systemimmanent einfach schlecht! Die ganze Atmosphäre, die eigentlich Mut-machend und wertschätzend sein sollte ist dort abwertend und deprimierend. Der Mensch soll doch bitte funktionieren. Nein! Der Mensch soll zu dem heranreifen, der er eigentlich immer schon war! Dazu sollten wir Menschen ermutigen!

Dafür müssen wir die Wunden der Menschen ernst- und annehmen, aber ihnen auch nicht die Eigenverantwortung nehmen.

Denn mir nimmt kein anderer Mensch, oder ein System die Würde. Das kann nur und ausschließlich ich selbst tun.

Am Ende bleibt doch nur wieder diese eine Wahrheit stehen:

Die einzig wahre, nachhaltige Hilfe ist die Hilfe zur Selbsthilfe!