Da ich gerade nicht so recht weiter weiß… Über das Denken

Vier Personen fahren nach Schottland: ein theoretischer Ökonom, ein empirischer Ökonom, ein Statistiker und ein Erkenntnistheoretiker. Als sie die Grenze überschreiten, sehen sie auf einer Wiese ein schwarzes Schaf. Der theoretische Ökonom sagt: „In Schottland sind die Schafe schwarz“. Der empirische Ökonom sagt: „In Schottland gibt es schwarze Schafe“. Der Statistiker sagt: „Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit können wir die Hypothese verwerfen, dass es in Schottland keine schwarzen Schafe gibt“. Der Erkenntnistheoretiker sagt: „In Schottland scheint es mindestens ein Schaf zu geben, das auf mindestens einer Seite schwarz ist“.

Eine hinreißende Anekdote, die die Probleme der Erkenntnis und die Fallen auf dem Weg dorthin offenbar werden läßt.

Shitstorm als Befreiung

Es gab ja vor kurzem die Geschichte von einem Menschen mit Behinderung, der von seiner Bank, der HASPA über seine Hilfsperson ausgerichtet bekam, er solle nicht mehr alleine in die Bank kommen, weil sie die Mitarbeiter vor ihm ekeln würden.

Als ich das gelesen habe, da hat es mir sehr weh getan. Wie gedemütigt und abgelehnt musste sich dieser Mensch fühlen? Ich weiß, wie schwer es manchmal sein kann als behinderter Mensch am „normalen“ Leben teil zu nehmen. Was für gesunde Menschen  ein Klacks ist, das braucht oft einige Vorbereitung, das ist eventuell auch mit Ängsten verbunden, was geschehen kann, wenn man nach draußen geht. Welche Reaktionen wird das Erscheinen mit dem Stigma hervor rufen?

Und dann bekommt man eine solche Aussage zugetragen. Das muss schrecklich sein!

Da tut es sicher unendlich gut, wenn Twitter uni sono dieses Verhalten verurteilt.

Was geschieht systematisch? Es ist quasi die Umverteilung der Machtverhältnisse. Die Macht und zwar alle Macht lag bei der Angestellten, die sich so enttäuschend äußerte. Sie war ich der Lage, den unerwünschten Kunden vor dem Eintritt in die Bank erst einmal abzuhalten. Ihn gänzlich auszugrenzen.

Doch nachdem auf Twitter die Empörung über dieses Verhalten sich Bahn brach, da stand auf einmal der gute Ruf der Bank und damit der Arbeitsplatz der Angestellten auf dem Spiel. Sie hatte sich ausgegrenzt!

Ich musste sofort an einen Text von Viktor Frankl denken, den ich in meiner Ausbildung zur Logotherapie vorlesen durfte.

Frankl war Jude und war in 5 KZs während die Nazizeit andauerte. Er verlor seine Eltern und seine Frau in diesen Höllenlagern. Und dennoch erhob er die Stimme  in Wien und sagte der überlebenden jüdischen Bevölkerung, dass es kein Tätervolk gebe, dass nicht alle Deutschen schlecht seinen und dass sie den Hass nicht weiter tragen dürften. Er wurde nach dieser Ansprache von den jüdischen Menschen aus ihrem Kreis ausgestoßen und ich glaube nicht einmal sein Grab ist auf dem jüdischen Friedhof…

Ich verstehe das natürlich. Der Schmerz und die Trauer und der Hass auf die Täter war einfach zu groß. Dennoch finde ich dieses Verhalten von Frankl so unglaublich groß. Während ich seine Rede vorlas musste ich mit den Tränen kämpfen. Nur ein Opfer dieses Regimes durfte so etwas sagen. Und ich war ihm so dankbar dafür, dass er das getan hat. Gleichzeitig fühlte ich die Schuld umso stärker.

 

Ich denke, dass in dem Fall des behinderten Menschen nur er alleine nun die Macht und die Berechtigung hat, mit der Angestellten ein versöhnliches Wort zu sprechen. Ich denke auch, dass er dies nun kann, weil Twitter ihm die Macht verliehen hat dies zu tun und der Schmerz darüber vielleicht so weit nachgelassen  hat, dass er diese Frau als fehlerhaften Menschen sehen kann, dem man die Hand reicht. Des Weiteren denke ich, dass er die Macht hat nicht nur dieser Frau versöhnlich entgegen zu treten, sondern auch ihren Horizont sowie ihre Einstellung zu Behinderten zu beeinflussen. Er kann ihr sagen, wie er sich gefühlt hat. Vielleicht sagt sie ihm dann, wie sie sich fühlte, als sie zu spüren bekam, wie ihr Verhalten die Massen gegen sie aufbrachte. Sie trinken zusammen einen Kaffee und die Frau wird sich in Zukunft besser in Menschen mit Handicap einfühlen können anstatt Behinderte zu hassen, weil einer ihr den Job gekostet hat und ihr Häme einbrachte. Denn so würde sie es sehen! Sie würde ihre Abneigung wohl in Zukunft nicht mehr so direkt kommunizieren, doch es gibt immer Mittel und Wege seiner Antipathie Ausdruck zu verleihen.

Wenn Du die Macht hast, dann wird die Welt sehen, wes Geistes Kind Du bist. Ob Du zu oft ausgeliefert warst und deshalb der Hass und die Vergeltung im Vordergrund steht, oder ob Du so weit verheilt bist, dass Du den Gesamtzusammenhang siehst und versuchst die Welt dort ein Stückchen besser zu machen!

Die „helle Seite“ des Tuns

Ich glaube, der Mensch kann in jeder Disziplin Erfüllung finden, wenn er mit Herzblut, also konzentriert und ohne Arbeit zu scheuen bei der Sache ist.

Er kann auch in allem, was er tun unglücklich werden, wenn er nur auf das schielt, was als Ertrag dabei heraus kommt. Wenn er seine Arbeit dazu gebraucht, um eine Wunde in seiner Seele zu bepflastern. Denn dann wird alles, was er für seine Arbeit bekommt zu wenig sein. Er wird unglücklich und verbittert, neidet anderen Menschen, dass sie mehr bekommen und sieht nur das, was andere haben und er nicht.

Dies ist die dunkle Seite der Macht, wie es in Starwars heißt. Sie führt zu keinen guten Ergebnissen und formt keine guten Menschen!

Man kann aber auch beim Tun Glück empfinden, oder wie bei Buddha empfinden, dass der Weg das Ziel ist.

Nehmen wir einen Koch, denn dort ist es besondern deutlich, weil diese Menschen kaum etwas verdienen (monetär) mit ihrer Kunst.

Ich kann Koch werden und ein Restaurant eröffnen, um viel Kohle zu machen. Das geht als Koch aber nur, wenn ich möglichst billig produziere.

Das heißt, ich kaufe beim Metro Mozzarellasticks, Sauce Hollandaise  und dergleichen in der Großpackung. Dann brauche ich eigentlich nur noch eine Mikrowelle und einen Billig-Arbeiter, der die Mikrowelle ein und ausräumt.

Ich glaube, bei einer solchen Tätigkeit kommt keine Freude auf, und das ist es, was den gefühlten Sinn , ausmacht. Freude und Selbstvergessenheit beim Tun!

Ich kann Schreiben, oder Kochen, oder Schreinern und die Tätigkeit an sich lieben, weil etwas unter und durch meine  Hände entsteht.

Ich kann wissenschaftlich tätig sein, weil das Erkennen von mir bis dahin unbekannten Zusammenhängen mich erfreut, mich begeistert, mich antreibt. Obwohl „antreiben“ missverständlich ist. Es ist ein inneres gezogen werden. Angetrieben wird man ja von außen. Getrieben noch ein Paper zu veröffentlichen, getrieben von den Schulden oder der Geldgeilheit, noch einen Stuhl möglichst schnell zusammenzuzimmern, oder noch schneller die Mikrowelle mit noch billigeren Erzeugnissen zu befüllen.

Wenn ich aber gezogen werde von meiner Idee, was gute Küche ist, dann werde ich den schweißtreibenden Job mit Feuereifer machen. Ich werde meine Speisen probieren, neue Ideen entwickeln, welches Kraut den Geschmack noch verbessern könnte, bis hin zum Meister Ferran Adria, der kochen zur reinen Kunstform erhob, der Texturen veränderte, der ein Labor besitzt, in dem die verschiedensten Geschmäcker und Gerüche anzutreffen sind, der Dinge verändert, die vor ihm noch keiner je anzutasten sich vorstellen konnte.

Es ist, als hätte der die Erde verlassen und sei zum Mars geflogen!

Man kann natürlich noch darüber hinaus gehen und sein Selbst, sein Leben zur Kunstform machen, zu etwas, das andere sich fasziniert ansehen und bewundern. Das wäre für den Spitzenkoch dann noch ein guter Lehrer zu sein für andere Köche, ein guter Partner und gegebenenfalls Vater zu sein. Ein Vorbild und eine Inspiration für andere Menschen, ein Vorbild, von dem andere Menschen sich gezogen fühlen es ihm gleich zu tun.

Was heißt das nun für mich persönlich?

Nun, ich kann körperlich nicht mehr so wirklich viel machen. Lange Zeit habe ich gehadert und gesagt „Das Leben ist im Körper, was soll ich noch machen?“

Damit habe ich die Menschen, die mir helfen wollten vor den Kopf gestoßen, habe sie mut- und hilflos gemacht!

Was also könnte noch meine Aufgabe sein?

Ich lernte in der Ausbildung zur Logotherapeutin: „Wer auf sein Leid steigt, der steht höher“

Das soll wohl heißen, wer trotz vieler Einschränkungen immer noch das tut, was ihm möglich ist und das andere gelassen hinnimmt, der kann für Andere noch eine Inspiration sein.

Also besinne ich mich auf das, was ich noch kann, vergleiche mich nicht mit gesunden Menschen und der Vielzahl ihrer Möglichkeiten. Außerdem unterliegt ja jeder bestimmten Restriktionen. Sei es zeitlichen, monetären, oder schlicht seiner Angst, etwas zu wagen!

Ich bin nichts Besonderes, ich bin ein Mensch, der versucht innerhalb seiner Möglichkeiten, sein Umfeld und die geliebten Menschen zu unterstützen! Dazu ist, glaube ich, jeder Mensch befleißigt! Das ist ja das Schöne und auch mein Glück, dass es Menschen gibt, die mir helfen wollen. Und ich danke es ihnen, indem ich ihnen zeige, dass ihre Hilfe auf fruchtbaren Boden fällt, dass ich dank ihnen dieses oder jedes noch zu leisten in der Lage bin, oder eben monetär. Kein Mensch kann immer nur nehmen, sowie auch kein Mensch immer nur geben kann. Wer gibt bekommt Anerkennung, Liebe, Dankbarkeit, Geld oder anderes zurück. Er darf es nur nicht wollen!!!

Wenn er das will, dann sind wir wieder beim getriebenen, bei dem, der nur auf das Ergebnis starrt!