Meine Einkaufstour Gestern und 3 Barrieren

Kurzmitteilung

na, eigentlich war es ja Vorgestern. Dienstag.

Ich wollte noch mal raus, um mir ein Schokocroissant beim Bäcker Schrade zu holen, Gemüse vom Bauer Günther und Leckereien vom Metzger Bienzle. Erste Hürde: Ich muss vor dem Bäcker warten, weil ein paar Stufen in den Laden führen. Zum Glück sind die Bäckereifachverkäuferinnen sehr hilfsbereit, sie kommen nach draußen und nehmen meine Bestellung entgegen. Man sieht mich aber nur von einer bestimmten Stelle vor den Stufen gut. Just an diesem Platz stellte aber gerade eine junge Mutter ihren Kinderwagen ab. Ich wollte sie fragen, ob sie das vielleicht auch an einem anderen Ort tun könnte:

Entschuldigung… (der hecktische Blick der Mutter lies mich inne halten) Ähm, können wir nen Deal  machen? Ich pass auf Ihren Kinderwagen auf, und Sie sagen, dass ich draußen bin?

sie lächelte erleichtert und erfreut eine leichte win/win-Situation eingehen zu können.

Gleichzeitig kam schön Frau Wowozki nach draußen und fragte mich nach meinen Wünschen.

Jetzt muss ich also nur überlegen, ob man mich von der anderen Seite wirklich besser sieht.

Dann beim Metzger, wo ich auch wegen Stufen vor der Türe bleiben muss während ich auf meine Bestellung warte kommt eine alte Frau auf Krücken aus dem Laden.Sie spricht mich

an:“ das ist ja schlimm, dass Sie nicht mehr gehen können!“

„Ich hab ja zum Glück nen Rollstuhl und bin somit autark“

Sie:“ Aber das ist doch schlimm, Sie können nicht mehr gehen! Meine Mutter saß auch im Rollstuhl blablabla“

Ich:“ ???“

 

Sie:“ Ja, Sie sind noch so jung und soo schlimm dran“

Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll, denn die Ansprache geht noch 10 Minuten so weiter, trotz meiner Beteuerungen, dass es mir bis auf diesen Umstand sehr gut geht…

Nach den 10 Minuten unterbricht Frau Härtle dieses grässliche Gespräch… Ich bin bis jetzt noch nicht drauf gekommen, was die Dame wollte.

Hätte ich SIE bemitleiden solle ? Wollte sie jemand von ihrer Mutter erzählen? Wollte Sie hören, dass es mir gut getan hat, dass mich jemand wahrgenommen hat??? Ihr dürft gerne helfen, oder mal Eure Einschätzung sagen.;)

dann auf dem Heimwag die letzte Barriere in Form eines Mercedes, der sich mitten auf dem Gehsteig befand und so dessen ganze Breite einnahm.

ich muss dazu sagen, dass es 16:30 Uhr war womit der Verkehr schon sehr erheblich war und dass der Bordstein eine sportliche Höhe von 10cm hat, meine Fußraste aber nur 4cm. Also dachte ich kurz nach. Wenn ich vor dem Wagen warte, bis der Besitzer kommt, dann werde ich wohl ziemlich pampig werden. Die ersten Vorurteile zu Mercedesfahrern machten sich schon bemerkbar.

Dabei wollte er bestimmt nur möglichst viel Platz für die anderen Autofahrer lassen…

Also passte ich einen Moment ab, um rückwärts auf die Straße zu kommen,am Daimler vorbei und dann wieder rückwärts auf den Gehsteig hinauf. Die Autofahrer ließen mich gewähren, da sich Ihnen mein Dilemma erschloss.

 

Alles in allem muss ich sagen, ich freue mich, in einer Stadt zu leben, die von Hilfsbereitschaft, Kooperation und einem guten Miteinander geprägt ist. Danke Stuttgart Möhringen! 💕🍀

Da ich gerade nicht so recht weiter weiß… Über das Denken

Vier Personen fahren nach Schottland: ein theoretischer Ökonom, ein empirischer Ökonom, ein Statistiker und ein Erkenntnistheoretiker. Als sie die Grenze überschreiten, sehen sie auf einer Wiese ein schwarzes Schaf. Der theoretische Ökonom sagt: „In Schottland sind die Schafe schwarz“. Der empirische Ökonom sagt: „In Schottland gibt es schwarze Schafe“. Der Statistiker sagt: „Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit können wir die Hypothese verwerfen, dass es in Schottland keine schwarzen Schafe gibt“. Der Erkenntnistheoretiker sagt: „In Schottland scheint es mindestens ein Schaf zu geben, das auf mindestens einer Seite schwarz ist“.

Eine hinreißende Anekdote, die die Probleme der Erkenntnis und die Fallen auf dem Weg dorthin offenbar werden läßt.

Nein, wir betteln NICHT um Toleranz!

Unsere Geschichte ist schnell erzählt:

 

Wir sind seit 1992 zusammen und seit 2000 verheiratet.

Vor 4 Jahren dann „gestand mir mein (Mann) e Frau, dass sie im falschen Körper geboren wurde und seit der männlichen Pubertät ihre wahre Identität vor der Welt verstecken muss. Für mich ein Schock, da ich mir kaum etwas schlimmeres vorstellen kann!

Wir machten uns also daran, einen Arzt zu suchen, der ihr Östrogen verschreibt. Sie kümmerte sich weiter darum, dass sie das männlichste Merkmal im Gesicht, nämlich ihren Bart, entfernt bekam. Dazu musste sie über 3 Jahre jeden Freitag in eine Praxis für Elektroepilation, weil ein blonder Bart nicht anders zu entfernen geht.

Dort musste jedes Haar einzeln mit einer Nadel, die unter Strom stand und so in den Haarkanal eingeführt wurde, verödet werden. Das Haar war danach für immer zerstört. Aber nur, so es sich beim Eingriff in der Wachstumsphase befunden hat. Ansonsten kam es unbeeindruckt wieder. Schmerzhafte drei Jahre dauerte diese Tortour!!!

Bezahlt hat es die Kasse nicht. Es gilt als ein Schönheitseingriff, wenn eine Frau einen blonden Bart hat. 15000 Euro, die auch Steuerlich nicht absetzbar sind später, war sie aber von dem Fluch befreit!

Wir sind in den ersten 2 Jahren durch etliche Sinnkrisen gegangen. „Werde ich immer wie ein Freak aussehen?“ „Werden die Leute immer auf den Mann in Frauenkleidern zeigen??“ „Hab ich mich nun für immer ins Gesellschaftliche aus geschossen?“

 

Und die Frage von mir: „Musst Du Dich JETZT schminken? Wir müssen doch nur einkaufen gehen!“

 

Auf diese Fragen hat sie sich unter Tränen wieder in ihre Männerklamotten geworfen. Uns war daraufhin recht schnell klar, dass es kein zurück zur „alten, verhassten Existenz“ mehr geben kann.

 

Ich komme mir fast noch behinderter vor, als ich schon bin, weil ich das Problem im falschen Körper zu stecken nur intellektuell nachvollziehen, nicht aber nachfühlen kann. Ganz schön peinlich für jemand, der dachte, er sei so einfühlsam…

 

Ich habe also verstanden, dass es eine Turbopubertät war, in der sie geplagt war von Ängsten, wie sie am Ende aussehen wird. Von Ängsten des Ausgestoßenseins. Von Ängsten der Chancenlosigkeit! Sie, die bisher, (in Männerschale) von allen gemocht wurde und respektiert wegen ihrer Intelligenz. Sie, die sich immer fleißig um ihr berufliches Fortkommen gekümmert hat, könnte auf einmal, schlicht wegen dem was sie IST an den Abgrund der Existenz gespült werden.

 

Sie schält sich bis heute für die Arbeit noch in Anzüge, weil in ihrem Personalausweis ja noch der Männername steht.

Wenn ich an meine normale und eigentlich bis auf ein paar Pickel und Hänseleien von Mitschülern unproblematische Pubertät zurückdenke,die mir selbst aber als alarmierender Ausnahmezustand erschien und meine ganze Aufmerksamkeit einnahm, dann kann ich mich nur verneigen vor meiner Frau. Die eine anstrengende Selbstständigkeit als Business-Architektin während dieser Phase voll durchgezogen hat, um uns beide zu ernähren!!! HÖCHSTEN RESPEKT!!!

 

Meine schöne Frau! :)

Meine schöne Frau! 🙂

Mittlerweile hat sie sich dank der Hormoneinstellung, die immer wieder verändert und ergänzt wurde zu einer schönen Frau mit beneidenswert schönen, langen, blonden Haaren entwickelt und kann ihr Glück kaum fassen.

Doch dann gibt es immer wieder Besuche bei meiner Familie. Und ein Onkel von mir, der Arzt und fleißiger Kirchgänger ist wird nicht müde sie immer wieder zu verletzen!

Bsp.: Ich erzähle bei Tisch, was sie Gestern mit mir getan hat. Da bricht es aus meinem Onkel aus seiner angewidert drein schauenden Fratze, die 2000 Jahre Kirchenhistorie widerspiegelt zusammen mit seinem Zeigefinger, der auf sie zeigt hervor. „Ach so, ER hat das getan“

Ich guck dann erst mal nur und denke, ich habe mich verhört.

Meine Liebste aber sagt nur getroffen und vorwurfsvoll: „ER“

Ich stelle also meinen Onkel zur Rede.

„Du hast also grade wirklich ER gesagt?“

„Nein, ich… DU hast doch ER gesagt“

Ich fühle mich wie in einem Monty Pythen Film, aber ohne den Witz.

Und ich mache den Fehler zu denken, meine Aussprache der Verfehlung sei schon genug der Tat gewesen. Ich würdige meinen Onkel keines Blickes mehr.

Die Familie sagt, wie immer wenn der Onkel so was sagt, (oder ein Freund, wenn ich mit einer alten Freundin und meiner Frau bei Tisch sitzen, und er sagt: Jetzt sind ja gerade ZWEI Frauen da.)  NIE etwas. IMMER soll meine Liebste diese Frechheiten ertragen.

Etwas später sehe ich meine Frau eingefallen neben mir sitzen. Da ich dauernd aufs Klo rennen muss denke ich, es ist noch einmal etwas vorgefallen und frage sie, ob dem so ist.

Sie sagt, sie würde es mir später sagen.

Ich schaue sie besorgt an, streichle ihren Arm, und kümmere mich dann wieder um meinen anderen Onkel, zu dessen Geburtstag wir alle gekommen sind.

Ich fand den Abend ganz gelungen und als wir auf der Heimfahrt sind, frage ich Marina: „Jetzt sag, was ist denn vorgefallen?“

Sie erläutert mir, dass es dieses eine ER war, dass sie aufgrund ihrer Ängste in den letzten Jahren so sehr getroffen hat. Sie sagt mir: „ Auf einmal muss ich mich wieder fragen, ob ich nur eine Witzfigur bin!“

Ich sitze neben meiner schönen Frau und frage mich, wie man DAS denken kann, wenn man so schön ist, wie sie???

Aber sie erklärt mir, dass dies eine so große Angst war, dass sich das Empfinden derselben in den Körper eingegraben hat. Es ist ein körperlicher Schmerz, das heißt, die Reaktion darauf ist NICHT steuerbar. Wie wenn man auf ne heiße Herdplatte langt. Dann zieht man automatisch die Hand zurück.

Sie muss mir dummen Kuh erklären, dass dies Mobbing ist. Und das alle anderen, die das hinnehmen das Mobbing erst möglich machen. Sie sagen immer: „Stell Dich nicht so an“. Und machen somit die Verletzung des anderen erst möglich!

Ich habe das nicht gleich geschnallt. Da gab es wunderbare Menschen in meiner Twitter-Timeline, die das viel schneller verstanden haben. Für sie schreibe ich das hier auch. Damit sie, so sie es wollen ein bisschen Hintergrundinfo bekommen können.

Das war ich ihnen schuldig!

Meiner Familie werde ich auch den Link dorthin schicken. So können sie sich entscheiden, wie sie in Zukunft damit umgehen wollen!